Sonntag, Juni 26th, 2011
“And it’s times like these we can’t replace.
It’s times like these we must embrace.
And even though it’s bittersweet and brings us to our knees
it makes us who we are, in times like these.”
(Kid Rock, “Times Like These”, 2010)
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Am Anfang war die diffuse Idee, “wandern könnte mir Spaß machen”. Weihnachten kam ein Paar Bergschuhe dazu. Und vor zwei Wochen ging’s dann los. Richtung Schweiz, Ziel: Crans Montana, Sportclub Carlton.
Warum das einer der a l l e r g r a n d i o s e s t e n Urlaube wurde, die ich je gemacht habe? (Und ich habe schon ganz schön viele grandiose Urlaube gemacht!!)
Weil…
… der Sportclub Carlton noch echten Holzfußboden in seinen Zimmern hat und kein IKEA dieser Welt so nette quietschende Kommoden-Schubladen herstellen kann.
… hier schon Juri Gagarin und Charlie Chaplin genächtigt haben - nur, dass die noch nicht die Sauna im obersten Stockwerk besuchen konnten und noch nicht das Vergnügen hatten, von der Schwitzbank aus die schneebedeckten 4000er auf der anderen Seite des Rhônetals sehen zu können.
… und sie haben auch noch nicht beim abendlichen Sauna-Event in den Liegestühlen auf der Dachterrasse gelegen und nur mit einem Handtuch umhüllt in den Sternenhimmel samt Mondfinsternis geguckt.
… es hier vier Gänge Abendessen gibt, die immer Salat beinhalten (selbstredend täglich mit einem anderen Dressing) und die immer mit einem Höher-schneller-weiter-süßer-sahniger-mjammiger-Nachtisch enden (Himbeerfloop! Zweifarbige Mousse au Chocolat! - Yummy!!).
… man sich das einfach so schmecken lassen kann, wenn man tagsüber viele hundert Höhenmeter gemacht hat und Millionen Kubikmeter frische Alpenluft geatmet hat.
… es schöner als eine Einsplus in Mathe ist, wenn man eigenständig das Matterhorn erkennt. Dass man all die Berge links und rechts davon auch bei der siebzehnten Einweisung durch Wanderguide Rolf - “links ist das Zinalrothorn, dahinter das Weisshorn, dann kommt der Dent Blanche, dahinter - der mit der Spitze zu uns zeigt - der Dom, der Breite da drüben ist das Bishorn” - nicht beherrscht, macht gar nichts.
… solange man weiß, wo das Bietschhorn ist. Zitat: “Mmh. Mein Thermometer zeigt 25 Grad an. Kann doch irgendwie nicht sein?!” “Och, in der Sonne ist es ganz schön warm!” “Ja, UND wir sind direkt am Beachhorn!” (vgl. auch: “Sind wir schon an der Falafel-Alm?”, wenn man im Lötschtal gen Fafler-Alm fährt…)
… unter der Etagendusche des SC Carlton folgende Szenen passieren: Schäume ich mir die Haare mit Shampoo ein, schließe dabei die Augen, werde plötzlich am Oberschenkel von etwas berührt. Reflexartig zum Nebenduscher: “Hast du mich gerade etwa angefasst??” Nein, er hat mich nicht angefasst, schon gar nicht unsittlich, es war bloß der fehlgeleitete Duschstrahl, der mich am Bein traf - der aber fortan für einen von unzähligen running gags sorgte. “Tamina, darf ich dich mal kurz anfassen?” (Der Nach-Duscher merkte allerdings an: “Was habt’n ihr gemacht unter der Dusche? Da war ja alles nass!”)
… man die schönsten deutschen Dialekte und Sprachfärbungen kennen lernt - “Kann ich noch was Butter haben?” “Das is ‘n Plümo!”
… ein Stuttgart-21-Gegner (”Oben bleiben!“), eine Fluglotsin, zwei Steuerbeamten, eine Küchenverkäuferin und eine über Karottenallergien promovierende Biologin und noch ein paar mehr zusammen einfach eine tolle Menschenmischung abgeben.
… nirgendwo anders passender Psalm 23 rezitiert werden kann: “Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.” Und dann waren da noch die weiteren Puzzleteile, bei denen selbst ein bayerischer Berufsschul-Religionslehrer schon mal durcheinanderkommen kann, wenn gerade der Weg nicht klar ist: “Müssen wir jetzt Richtung Illgraben oder Richtung Illsee?” (vgl. “Der Herr ist mein Hirte, … er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen”), die Wasserflasche leer wird und die Mittagspause naht (vgl. “Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser”).
… wir jetzt dank einer Märchen-Lesestunde im Salon des SC Carlton (s. Foto) endlich alle wissen, dass beim “Froschkönig” gar nicht geküsst wird, sondern das arme Tier nur an die Wand gepfeffert wird. Dafür haben wir spontan unseren aktiven Schimpfwortschatz durch die Wendung “alte Wasserpatscher” ergänzt, denn: “‘Ach, du bist’s, alter Wasserpatscher,’ sagte sie, ‘ich weine über meine goldene Kugel, die mir in den Brunnen hinab gefallen ist.’” (”Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich“, Brüder Grimm, 1857)
… ich sonst immer noch nicht wüsste, dass bisses historische Wasserleitungen sind. Aber wer einmal an der Bisse de Tsitorret, der Bisse du Ro oder der Bisse de Lens entlanggewandert ist, mag nie mehr einen normalen Spazierweg benutzen. (Anm.: Bisses (frz.) oder Suonen (dt.) dienten früher der Wasserversorgung der wallisischen Dörfer. Die zu bauen war ziemlich gefährlich, wie der Wanderer heute noch sehen kann, der schwindelfrei sein und gutes Schuhwerk tragen sollte. Entsprechend wichtig und angesehen waren die Bisse-Konstrukteure einst in der Dorfgemeinschaft. Bisses überwinden sogar Felswände und Geröllhalden.)
… es mir zu Hause viel zu peinlich wäre, zu “Coco Jamboo” (Mr. President, 1996) alberne Gruppentänze zu vollführen. Aber was tut man nicht alles, nachdem Barfrau Nicole einem einen Karamelwodka (Karamelwodka! Ka-ra-mel-wod-ka! Und das MIR!) aufgeschwatzt hat. (Und: Ja, ich kann jetzt auch schon recht gut “Schatzi, schenk mir ein Foto”/”Schatje mag ik en Foto” singen.)
… wir jetzt wissen, dass Schnecken Kuhdung fressen. “Ja”, sagt der Wander-Guide, “und die Kühe fressen Bananenschalen. Da wird dann Bananenmilch draus.”
… man erst richtig kapiert, was “im Mittelpunkt stehen” bedeutet, wenn man das am Welcome-Abend zum Abendessen gereichte Glas Sekt exakt in der Sekunde umpfeffert, wenn die Hausleitung bei ihrer Ansprache eine kleine, aber umso totenstillere Pause einlegt. Dann darf man sich auch nicht wundern, wenn man künftig beim Abendessen von den Tischnachbarn mit Überflugverboten und Sperrgebieten über und um deren Essbereich belegt wird.
… jetzt ein Hubschrauber (Stichwort “Überflugverbot”) nicht mehr einfach ein Hubschrauber ist, seitdem der Bundeswehr-Verwaltungsangestellte sagte, als wir aus dem Wald bei Plans Mayens traten und einen Hubschrauber zwar deutlich hörten, nicht aber sahen: “Ist nur ein Arbeitshubschrauber!” Woraufhin sich der Rest der aeroplanaren Banausen zweifelnd anschaute. Allerdings nur, bis wir hinter dem nächsten Gebäude den Hubschrauber erblickten. Denn, ein Speißfass transportierend erhob sich dort gerade ein - - - Arbeitshubschrauber in die Luft!
… die Rinder auf den Walliser Almen (s. Foto oben) meist Eringer sind. (Wander-Guide: “Eringer, nicht Heringer! Heringe sind Fische!”) Auf dem Fell der Tiere ist oft eine Nummer aufgemalt, denn die Tiere tragen im Frühjahr Kuhkämpfe aus, um die winters im Stall abhanden gekommene Rangordnung wieder herzustellen. “Das sind Adventskalender-Kühe!” “Ich fotografier’ mal eine.” “Welche denn?” “Heiligabend!”
… weil: die Teamer! DIE TEAMER!! Die weltallerbesten Teamer!!! Carlton-Teamer for president and for Weltmeister and for Königsthron and for Urlaubssupermacher!
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Noch Fragen, warum das einer der a l l e r g r a n d i o s e s t e n Urlaube wurde, die ich je gemacht habe?
Dann hab ich hier noch eine kleine Info für euch:
Wanderurlaub in Crans Montana mit Frosch - das ist pures Glück am Stück!




