Donnerstag, Juli 9th, 2009
Ich werde nie begreifen, warum manche Leute freiwillig im Urlaub zu Hause bleiben.
Nichts und wieder nichts und ganz und gar nichts ersetzt nie nicht die Summe der Momente, die den Koffer im Kopf füllen.

An Deck eines Ausflugsbootes zu liegen, unter mir das Handtuch auf der Strandmatte, über mir der Himmel, vor mir ein paar Postkarten, die mit Belanglosigkeiten beschrieben werden können, im Herzen die Sonne, auf den Lippen das Salz vom letzten Meeresbad, auf den Armen die Sonnencreme, und der Bord-DJ spielt “Live is life” (”na-naaa-na-na-naaa!”), direkt gefolgt von “Wake me up before you go-go”.
Immer noch an Bord dieses Ausflugsbootes zu sein und derjenigen Instanz zu danken, die mir mitgab, vererbte oder vermachte, ziemlich geländegängig und seetauglich zu sein, so dass man den türkischen Papa, der an Deck stolpert und mit Mir-ist-alles-egal-Blick konzentriert in seine Kotztüte guckt, ein kleines bisschen beschmunzeln kann.
Weiterhin auf dem Ausflugsboot den Tag zu verbringen und beim ersten Badestopp als Erste vom ersten Deck ins Meer zu springen und dafür verblüfft-erschrockenes Erstaunen der männlichen Mitfahrer zu ernten, die zunächst zaudernd auf dem Deck-Geländer stehen blieben.
(Ich war schließlich ewig lange nicht vom Drei-Meter-Brett gesprungen!)

Auf einer Wanderung an der Steilküste bei Fethiye zwei Briten zu begegnen.
“Shall we take a photo of you?”
“Oh, no, thank you. My mother would die if she saw where I’ve been!”
Vom Kellner gefragt zu werden: “Who is your travel agent?”
Vom selben Kellner erklärt zu bekommen, warum sein Restaurant “Birlik Lokanta” heißt:
“Birlik, das heißt ‘zusammen’. Wir haben es so genannt, weil wir es zusammen machen - mein Vater, mein Bruder, mein Cousin und ich.”
Und denken: “Wenn das so ist, müssten vermutlich 98 Prozent aller türkischen Restaurants ‘birlik’ heißen.” (So geht ungezwungenes Vokabellernen!)
Den wohl schönsten Computerplatz der Welt - auf dem rooftop meines Hotels in Kaş - zu benutzen und mails nach Hause zu schreiben, während ein Glas Tee neben einem dampft und man Angst bekommen muss, vor Schönheit geblendet und taub vor Freundlichkeit zu werden.

Ja, sie ist ziemlich unergründlich, diese Zufriedenheit, die einen nur fern von zu Hause überfällt.