Tschüss Kopf. Tschüss Verstand. Ihr könnt später wiederkommen.

taminaurbaniak.de


Piep

Seit circa zwei Jahren piepst meine Handtasche, wenn ich durch die Sicherheitsschleusen von Kaufhäusern laufe. Nicht immer, aber viel zu oft. Ich kenne in DO-Innenstadt deswegen 80 Prozent der Kaufhausdetektive und Sicherheitsdienstmitarbeiter (und die meinen Handtascheninhalt - von Taschentuchpackung über iPhone-Ladekabel bis zur Nagelfeile).

Gestern wieder. “Piiiiiep!” Und der Sicherheitsmann kommt mit verbindlichem Lächeln auf mich zu, ich ziehe routiniert den Reißverschluss meiner Tasche auf, um den Beweis anzutreten, dass ich nichts geklaut habe. “Das macht die öfter”, sage ich zu ihm. “Die Tasche piept immer.” “Ja, und wollen Sie nicht mal, dass sich das ändert?”

Ich starre ihn verständnislos an. “Geht das denn?” Er nickt und nimmt mich mit zur nächsten Kasse, streift die Tasche über einen Entfiepungs-Sensor (für den es sicher auch den entsprechenden Fachterminus gibt).

“So”, sagt er und blickt mich aufmunternd an. Ich hänge mir die Tasche um, laufe durch die Schleuse. Kein Piepen, nichts.

Sage ich zu dem zufrieden grinsenden Sicherheitsdienstmann: “Warum haben wir uns nicht viel eher kennen gelernt?”

(Das wollte ich überhaupt schon immer mal zu einem Mann gesagt haben.)

Gwenn ha Du - Blanc et Noir

Die Bretagne?

…ist einen Tag lang einen Hummer in der Spülschüssel (YouTube-Video davon? Klick hier!) als Hausgast zu beherbergen (Kochtopf, du Mörder!).

… immerzu Sand. Überall. Im Bett, in der Unterwäsche und in den Schuhen.

… Holunder heißt sureau und selbstgemachter Saft aus seinen Blüten ist quasi das ideale Getränk für Freitagmittagnachdemfrühstück auf der Vue-Mer-Terrasse von Bekannten.

…mindestens einmal Frühstück im Café du Port in Perros.

…Menschen in Ringelpullis allerorten; Armor Lux, Saint James (Né de la Mer!) sowie Le Phare de la Baleine waren hier schon modisches Maß aller Dinge, als das Wort Trend noch gar nicht erfunden war.

Jeder Franzose muss eigens ein Abteil in seinem Kleiderschrank für “les vêtements bretonnes” reservieren; die Ringel-Optik-Kleidung wird jeweils für les grandes vacances hervorgeholt.

…abendliche Kontrollgänge zum Leuchtturm.

…Feuerwerk heißt feu d’artifice und ist tausendmal schöner als ein handelsübliches Feuerwerk, wenn man es auf einem Granitfelsen sitzend beobachtet und es auf einer Insel in der Bucht von Coz Pors entzündet wird. Anschließend: Bei der soirée DJ feststellen, dass der gemeine Franzose immer noch gerne mit Johnny Hallyday “Allumer le feu” mitgrölt. Aber hey, die 90er-Jahre waren ja auch top für la musique pop! Mitsingen ist auch bei allen anderen hier dargebotenen Titeln wegen Extrem-Eingängigkeit selbst ohne Französisch-Kenntnisse problemlos möglich. Und ein Gefühl wie “Dirty Dancing”, wegen Feriendorf-Atmo.

…Strandnachmittage an der Base Nautique de l’Ile Grande, bei denen man naturcoole Surfer beobachtet, die aus der Windnot eine Paddelboard-Tugend machen und umso mehr Spaß an ihrem Strandkonzert mit Bands wie Al K Traxx oder Ty Moon haben.

…Artischocken essen.

…wider besseres Wissen täglich die Météo-Seite der “Ouest-France” aufblättern und stundenlang die Vorhersagen diskutieren: “Heute sind wieder éclaircies angekündigt. Aber gestern war doch noch die Rede davon, dass es averses geben sollte!” (Niemals einsehen, dass es Unfug, grober UNFUG ist, den Wetterberichten zu glauben - erstens ist das Wetter hier nämlich in jeder Bucht anders, zweitens niemals so, wie in der Zeitung angekündigt und most of all kann man eh nichts dran ändern.)

…Kinder am Strand heißen selbstverständlich Etienne und Julie und lernen ab dem Kindergartenalter Segeln.

Bretagne? Bretagne!!

Zwischen Halil Altintop und Mesut Özil

Ein Waldweg am Rande einer Siedlung in Dortmund-Eving. Ein etwa achtjähriger Junge sitzt im Schneidersitz am Wegesrand und blickt versunken auf sein Mobiltelefon, aus dem muezzinrufartige Musik dudelt.

Kommt eine Frau daher, die ihren Deutschen Schäferhund Gassi führt.
“Du bist in Deutschland hier! Hier kannst du doch nich’ sowatt hör’n! Issdowahr! So wird datt nie watt mitte Intigraziejon! Issdowahr!”

Und an mich gewandt: “Issdowahr! Kann der doch nicht hören, sowatt! Hier ist Deutschland. Hier ist Rock und Roll!”

Oh ja. Deutschland, einig Rock-und-Roll-Mutterland. Es lebe der Partyotismus!

Sportfreunde und -freundinnen

Es sagte der Bekannte in der WM-Guck-Runde, als wir uns über die Philipp-Lahm-Stiftung und Mesut Özils faszinierende Augen unterhalten: “Ihr habt euer Wissen wohl auch aus der Sport-Gala!”

(Merke: Fällt ein Tor, einfach immer sofort “Schönes Ding!” rufen. Macht einen sofort zum ernstzunehmenden Fußball-Freak auf Augenhöhe.)

Rock’n'Roll

Wenn man mit klapperigen Sommer-Clogs an den Füßen Fahrrad fährt, eine mit Einkäufen vollgepackte Umhängetasche sich hinten und der Minirock vorn am Sattel verfängt, während man den pro Fahrtrichtung vierspurigen Dortmunder Wall überqueren will, wo die Ampel gerade auf Rot springt und entsprechend viele Autos und darin sitzende Fahrer warten…

…dann ist es sehr schwer, beim Absteigen seine Würde zu wahren.

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Aber es kann gelingen.

Verlässlich

Dann und wann gibt es Zeiten, da denkt man, man kann sich doch eigentlich auf nix mehr verlassen. Lila Kühe gibt’s gar nicht. Unkosten kosten doch Geld. 3D kann man gar nicht anpacken. Morden können auch andere als Gärtner. Und so fort.

Aber wenn man ganz genau hinguckt, dann sieht man, dass es doch Dinge gibt, auf die man sich verlassen kann. Jetzt und immerdar und ewig sowieso und länger als Marmor, Stein und Eisen bricht.

Nämlich:

1. Weihnachten ist immer am 24. Dezember.

2. Vancouver ist die tollste Stadt der Welt.

3. Beste Freundinnen.

4. Robert Pattinson.

5. Reden hilft. Schreiben auch. Immer.

6. Bauchgefühl.

7. Das Freibad.

8. “Mach dich rar, be a star.” - Stimmt.

Ist doch schon eine ganze Menge.

Und dass ihr’s wisst: “If I have to I can face anything” (Helen Reddy, dankeschönst!)

Noch ‘n Toast, noch ‘n Ei…

Wohnen im Hostel hat zwei entscheidende Vorteile auf Reisen: a) ist es günstig und b) kann man dort auch noch Zimmer mieten, wenn ganz Vancouver wegen des BMO Vancouver Marathons und wegen diverser Groß-Konferenzen ausgebucht ist.

Wohnen im Hostel heißt aber auch, sich dieser ganz speziellen Hostel-Atmosphäre hingeben zu dürfen/müssen. Und: Nein, auch wenn man ein Doppelzimmer mit private bathroom wählt, kann man dem ganz eigenen Charme dieser Unterkünfte, die die Jugend der Welt zusammenbringen, nicht entgehen.

Der Betrieb in Hostel-Frühstücksräumen ist dabei bunt wie die Gästeschar, die sich hier morgens nach langen pub crawls, Gitarren-Schmettereien in der Hostel-Lounge oder sonstigen coolen Nachtbeschäftigungen vor dem Start in den neuen Tag trifft - und die Wandfarbe ist Programm.

Am sehenswertesten aber ist, was der Dress-Code in Hostel-Frühstücksräumen hervorbringt - und der kann es mühelos mit dem einer Bad-Taste-Party aufnehmen.
Barfuß gehen ist zum Beispiel sehr cool in Hostelfrühstücksräumen. Ups, in einen Marmeladenklecks getappst? Macht nix! So kann man doch auch viel besser mit den Fußsohlen die im Umkreis verstreuten Toastkrümel aufnehmen!
Fortschrittlich und kurz vor Laufstegreife ist, wer wenigstens ausgelatschte Flipflops an den Füßen trägt - und schließlich kann man damit ein wenig Sand aus Aquitanien und den Staub von Guatemala-City in das Frühstückszimmer tragen.

Für manche ist der frühe Morgen auch wirklich noch zu früh, um die Anstrengung zu unternehmen, einen BH anzuziehen. Und als Beinkleid muss halt dann manchmal eine Unterbuxe mit lustigen Mickymäusen, die sich als Shorts tarnt, herhalten - reicht doch?

Fortschrittlich, ganz nah an den Topmodels und vor allem arschcool sind die, die im Schlafanzug auflaufen - why not? Eine leiernde Frottee-Variante mit aufgedrucktem Planetensystem war diesmal unser Favorit.

Und die Haare! Kämmen? Wohl Zeitverschwendung! Und die Out-of-Bed-Frisur steht doch den meisten eh am besten.

Man muss sich auch nur ein ganz klein wenig zusammenreißen, um nicht ausfallend zu werden, wenn direkt vor meinem Toastbrot jemand sein zerknittertes T-Shirt, Marke “Dich-krieg-ich-auch-noch-in-den-Rucksack-geknüddelt”, lupft, den behaarten und nackten Schmerbauch freilegt und sich gemütlich an was-auch-immer kratzt.

Hostel-Frühstücksraum-Gäste sind immer sehr hungrig - klar, bei den wahnsinnig aufregenden und stets mit dem Attribut “awesome!” dekorierten Erlebnissen kann man auch schon mal drei Creme-Cheese-Bagel mit doppelt Erdnussbutter verputzen (ich vergaß die Familienportion Müsli in der salatbottichartigen Schüssel vorweg) und noch drei Cranberry-Muffins “für später” in eine Serviette knüddeln. Mjam.

Und wir? Wir sind die, die vorher geduscht haben, die Anti-Wrinkle-Light-Tagescreme ins Gesicht gecremt haben und ein frisches T-Shirt anhaben. Voll spießig. Und dann sind wir die, die mit dem feuchten Schwämmchen vorher noch die Matschepampe aus O-Saft, Muffin-Krümeln und Butterkleksen im Tee-See von unserem Tisch gewischt haben.

Und wir sind die, die ihr getrost “Omma” nennen dürft.

Most livable (and runable)!

Weil ich gerade meinte, dass Männer (mit den üblichen - Väter, Brüder, Patenönkel - Ausnahmen) unnützes Zeug sind, eignete sich jetzt am besten die Flucht nach vorn, besser: die Flucht nach “weg!”, in diesem Fall: Der Flug nach Vancouver auch wenn man sich schon auf dem Hinflug unendlich ärgert, dass man nicht länger bleiben kann, weil das Ticket ein Spezialticket ohne Umbuchungsoption ist und der Grund für die verfrühte Rückkehr sich mittlerweile in Wohlgefallen (oder besser das Gegenteil von Wohlgefallen) aufgelöst hat.

Denn Vancouver, das wissen alle, die schon mal da waren, und der Economist auch, ist eine der lebenswertesten Städte der Welt - und alljährlich am ersten Sonntag im Mai wird hier Marathon gelaufen. Und weil die beste formerly known as Reisefreundin der Welt, now known as beste Marathonreisefreundin der Welt - aus Gründen - beschlossen hatte, dass am Rand stehen und anfeuern gut und schön, mitlaufen und finishen wollen aber güter und schöner ist, meldeten wir uns eben beide an und verteidigten diese Reise mit Zähnen und Klauen gegen alles und jeden. Nagel, Kopf, und zack, haste “Confirmation of Registration” in der E-Mail-Betreffzeile im Postfach und der BMO Vancouver Marathon will dich dabei haben!

Ist auch viel schöner zu zweit, so eine Prä-Halbmarathonphase. Kann man in aller Ruhe tagelang und auf Grundlage einer Quasi-Standleitung auf die Homepage des staatlichen Wetterdienstes diskutieren, was man anzieht: Zwei lange Lagen? Eine kurze, eine lange drüber? Jacke? Abknüpfbare Ärmel? Krempeltaktik? Oder über all dem Kopfzerbrechen resignieren und nackt laufen?

Zu zweit macht auch das Tapern (von dem wir noch immer keine adäquate Übersetzung haben, was wir uns aber selbst sehr genau definiert haben; für uns heißt es so was wie “Sich schonen auf Teufel-komm-raus”) auch viel mehr Vergnügen. Man kann den Vortag des race days schon damit verbringen, im Müßiggang durch die Stadt zu schlendern und danach stundenlang mit einem To-Go-Becher aus dem Starbucks auf einer Bank am Coal Harbour zu sitzen und den vorüberjoggenden Menschen mit tadelndem Blick hinterhersehen, den Kopf schütteln und rufen: “Hey, ihr müsst doch tapern! So wird das nichts mit den 2 Stunden 30 auf der kompletten Distanz!” (derweil analysiert man deren Bekleidung und gleicht die Outfitauswahl ab mit den eigenen Überlegungen, siehe vorhergehender Absatz).

Tapern heißt auch, im Vancouver Aquarium der reizenden Mitarbeiterin Paula, die die Delfin- und Wal-Shows moderierend und erklärend begleitet und uns mehrfach dazu auffordert, den schönen Tag zu loben (”Cause this is not exactly what Vancouver weather usually means!”) und unsere gute Laune hinauszurufen (”How’s everybody? Can’t hear you! Is that all you’re giving to me on this beautiful day?”), gleich mehrfach bei ihrem überaus wissenswerten Vortrag über die Ernährungsgewohnheiten der Orcas und die Cleverness des Delfins Hannah im Vancouver-Aquarium-Outdoor-Pool zuzuhören, dabei die Nase in die not-exactly-vancouverian-Sonne zu halten und abends über deren Röte zu kichern. Zwischendurch, während Paula pausiert, kann man sich angrinsen und die Schultern zucken und sagen: “Wir würden sonst nicht so lange und so treibenlassend hier am Orca-Becken abhängen - aber wir müssen eben tapern!”

Gegen Abend tapert man raus aus dem Stanley Park und besucht das Luxy Café, das wir zu unserem persönlichen Carbo-Loading-Place-to-be auserkoren haben und macht sich über einer schier unbewältigbar erscheinenden Menge an Nudeln mit Tomatensauce über die am Nebentisch sitzenden und sich wie Hostel-Bewohner benehmenden und ebenfalls carboloadenden Gäste lustig. Allerdings ist die hosteltypische “Ich muss dringend total viele coole Leute von International kennen lernen!”-Manier, die sich in “Woher kommst du, wie lang bleibst du, was ist ein must see?” Bahn bricht, hier eher so ein “Wo bist du zuletzt gelaufen, wie lang willst du für die 42K brauchen, was muss man über die Zeitmessungsmatten/die Dixie-Klo-Frequenz am Wegesrand/die Qualität des PowerGel-Caterings wissen?”

Und dann kommt der lange entgegengetaperte race day, man hat sich genau für den richtigen zwei-long-layer-Look entschieden, der Schlaf war gut und tief, den Zeitchip hat man unter Opferung mehrerer abgeschnürter Finger richtig installiert, im Zelt beim gear bag-Abgeben (schließlich will man direkt nach Zieleinlauf in die Welt hinaustwittern, facebooken, SMSsen und Anrufen; braucht also dringend sein Mobiltelefon) hat man noch ein wenig small-pre-race-talk mit dem lässigen Mitläufer (”Ich laufe nur die halbe Strecke hier. Letzte Woche bin ich in London die volle Distanz gelaufen. Und Barcelona im März - hey, da hat’s doch tatsächlich geschneit!” - Ergriffenes und beifälliges Staunen unsererseits…) gehalten, und die letzten Worte der besten Marathonreisefreundin sind: “Herrje. Meine Haare liegen gar nicht.” (Und das, wo wir extra noch Haarbänder mit der Aufschrift “Live, laugh, run” bzw. “I run for chocolate” gekauft haben!) Kurz danach haut sie einem Mann auf den Po - unabsichtlich, natürlich - und wir zeigen den pace bunnies eine lange Nase und rennen des Weges. Regen setzt ein, egal, wir weinen sowieso dauernd, weil so viele laut T-Shirt-Aufschrift für cancer-kranke Angehörige oder away-gepasste Mom and Dads laufen.

Und so passieren wir den gefürchteten Prospect Point im Stanley Park (von Meeres- auf ein elevation level von 60 Metern!) und finden ihn halb so schlimm, wir laufen an den ganzen Streckenposten vorbei, deren “You are doing well! You look amazing! Yeeees! Today’s the day when all the training pays off!” uns noch lange in den Ohren klingt.

Und dann - nanu?! - sind wir schon bei Kilometer 18, 19, 20, jetzt packen wir den Rest auch noch, der Regen regnet, Vancouver feuert, die Schuhe are made for running, not for walking, und überhaupt: Jogging sucks, go running! Das BC Place Stadium vor der Nase, die Finishing-Zone vor Augen, die Kondition in jeder Muskelfaser - und dann stehen wir da, lassen uns Medaille, Wärmeplastikplane umhängen, fallen uns in die Arme, schauen ungläubig auf die Zeit - und der Rest ist breites Grinsen, Adrenalin, Durst, Siegesgewissheit.

Und vor allem das Gefühl, alles richtig gemacht zu haben.

(Übrigens: Auf dem sechsten von acht Fotos, die die Vancouver Sun online gestellt hat, sind wir zu sehen - mittig unten, in Pink und Blau, ungefähr da, wo in der Bildzeile “Vancouver Marathon” steht.)

Dobar dan - Dovidenja

Es war ein als Kurzurlaub getarntes Ablenkmanöver. Und außerdem ein wahres Eindrucks-Gewitter. Und eine Doppelgeburtstagsfeier. Und ein lang ersehntes Bruder-und-Bruderfreundinwiedersehen. Und noch viel mehr:

  • Schnell mal eben auf dem Weg vom Flughafen Weltkulturerbe mitgenommen (Trogir) und dort Nationalgetränk Nr. 1 getrunken: Cedevita (siehe Foto). Zweites Nationalgetränk: Pipi (made in Split!). Hihi!
  • Lustiger Sitznachbar im Flugzeug: Greift sich meinen SPIEGEL, studiert in Seelenruhe den darauf befindlichen Abonnenten-Aufkleber mit meinem Namen, blättert drin, stutzt auch nicht, dass da einer meiner Haarclips als Lesezeichen dient und liest die Zeitschrift erstmal durch.
  • Schön auch: Wer so dusselig ist, bei der Flugbuchung seine Tagesgeldkonto-Nummer nicht von der Girokonto-Nummer unterscheiden zu können, der muss mit einem kleinen bisschen Bauchschmerzen zum Flughafen fahren. Köln/Bonn checkt mich ohne Wimpernzucken ein, vor dem Rückflug aber geht eine E-Mail ein mit der Mahnung, die Fluggebühr samt 12,33 Euro Bearbeitungspauschale am Flughafen-Schalter in Split zu begleichen. Die dafür eingeplante Pufferzeit vor Abflug reicht dank der großen Kooperationsbereitschaft des Bodenpersonals in Split dicke aus, und sie sind sogar so unkompliziert, die eigentlich in Kuna zu bezahlende Gebühr Pi mal Daumen in Euro umzurechnen. Wenn man dann noch schusseliger ist und den Ticketausdruck samt halbwegs wichtiger Bankunterlagen am Schalter liegenlässt, ruft einen zuverlässig der Flughafensprecher aus. Prädikat “rundum sorglos” für diesen Flughafen!
  • Wichtig in Kroatien: Immer viel essen! Vaters Prsut und den selbstgemachten Käse, Brot aus von Bruderhand eigengestampften Getreidekörnern, Cevapi  - am besten frisch vom Grill in Vaters Ofenhaus (siehe Foto), und zu allem und zu jeder Tageszeit: gemišt! (sprich: ['gä-mischt]), also Weißwein mit Mineralwasser.
  • Keiner fragt, was man beruflich macht. Bruder: “Die sind hier in ihrer Berufswahl kreativer.” Sprich: Wer heute noch eine Touristen-Pizzeria hat, kann morgen schon einen Baustoffgroßhandel aufmachen.
  • Stundenlang neben Leuten sitzen, deren Sprache man nicht spricht. Tipp der Schwägerfreundin: “Einfach alle Sprachen (=Deutsch, Französisch, Englisch, Kroatisch) im Kopf anschalten!”
  • Und wenn ich groß bin, werde ich mal eine so gute Gastgeberin wie die Schwägerfreundin und ihre Familie.

Kroatien? Sofort wieder!

Und wenn du denkst es geht nicht mehr…

Mit jedem Tag, der Dir Hoffnung gibt,
mit jedem Ziel,
das noch vor Dir liegt,
mit all der Sehnsucht,
die in Dir wächst -
Blick nach vorn
.”

(Max Herre, “Blick nach vorn”)

Meine Vorliebe für Zufälle wird wohl niemand vollends begreifen können - und doch finde ich sie immer wieder bestätigt.

Denn immer, wenn man denkt, es geht nicht mehr, und wenn selbst das ausgefuchsteste Ablenkungsprogramm tausende Kilometer von zu Hause, mit massenhaft Sinnes- und Menschen-Input und mit dem vollen Carepaket durch solche Leute, die es gut mit einem meinen, an seine Grenzen gerät, und wenn man doch wieder da liegt und sich in den schillerndsten Grau-Tönen ausmalt, wie grauenhaft man am nächsten Tag nach diesem Heul-Inferno aussehen wird, wenn man es einfach nur ungerecht findet, dass die große, böse Schwester der Hoffnung - ihre Waffe: das Schwert; ihr Name: Enttäuschung - zuschlägt, wenn man nur deswegen nicht ins Kloster geht, weil die beste Freundin mal gesagt hat: “Bloß nicht - im Kloster gibt’s weder Internet noch Telefon!”, dann kommt von irgendwo eine life saving e-mail her.

Und dann ist mein Mobiltelefon mein bester Freund, weil es mich always on internet hält. Und der frisch angebrochene Morgen ist mein, ebenso wie das Sonnenlicht. Und mögen die Sorgen laut Jan Delay auch noch so gute Schwimmer und deswegen nicht zu ertränken sein: “Da sind noch welche, die dir helfen, und das sind Prince und Stevie Wonder.”

Jep. Die beiden und noch ein paar mehr.

(Einige Zeit später mailt die Freundin und benutzt exakt das gleiche Vokabular, das vor genau einem Jahr - wenn auch in einem anderen Zusammenhang - Verwendung fand: “…kriege nicht übel Lust, XX zu federn und zu teeren…” - Zufall oder was?!)