Tschüss Kopf. Tschüss Verstand. Ihr könnt später wiederkommen.

taminaurbaniak.de


Ode an die Freunde

Echte Freunde (und wenn ich “Freunde” sage, gilt dasselbe für “Familie”) erkennst du an deinem Geburtstag.

Echte Freunde gehen dann nämlich mit dir reinfeiern - auch wenn sie am nächsten Tag ein wichtiges Turnier haben.

Echte Freunde wohnen in Berlin und wollen dir unbedingt als Erste gratulieren, bleiben deswegen extra wach, obwohl sie schachmatt sind und senden dir eine SMS um exakt 0 Uhr. Und dann freust du dich und schickst ihnen eine Dankeschön-SMS, als im Reinfeier-RatskellerDickes B” gespielt wird, und machst sie damit noch mal wach.

Echte Freunde erkennst du auch daran, dass sie nicht nur per SMS, auf einer Karte und via E-Mail Glück wünschen, sondern das auch noch persönlich tun.

Am Geburtstag gehören dann auch Ex-Freunde wieder zu echten Freunden.

Echte Freunde sind außerdem die, die eigentlich chronische Geburtstagsvergesser sind, die aber dann dran denken und eine Textnachricht schicken und schreiben, dass ab heute der selbst angesetzte Schlehenlikör zum Trinken freigegeben ist.

Echte Freunde gewinnen mühelos die Wertung um die schönste Karte mit dem besondersten Text.

Sie rufen auch an und fragen, ob du “schon bei Frau Bögershausen gewesen bist”. Und du wunderst dich, denn sie haben dich noch nie in deiner Wohnung besucht, können also die Nachbarin Frau Bögershausen gar nicht kennen. Aber DHL hat nun mal das Päckchen pünktlich zum Geburtstag an Frau Bögershausen abgegeben, weil du gerade nicht zu Hause warst, was DHL in der Sendungsverfolgung dokumentiert. Als Frau Bögershausen das Päckchen tags drauf abliefert, ist es somit wie immer noch oder schon wieder Geburtstag haben.

Du darfst bei ihnen feiern, obwohl du schon längst eine eigene Wohnung hast, und auch das Silber und die 97 schmutzigen Gläser musst du später nicht spülen, und das ist schon ein ziemlicher Luxus.

Echte Freunde schenken dir das sehnlichst gewünschte Radio, das endlich den rauschfreien Empfang des Lieblingsradiosenders ermöglicht.

Bei deiner Feier kommst du über sechs Stunden nicht dazu, auch nur einen Happen zu essen, weil es so nett ist, all die Freunde um sich zu haben.

Aber auch, das Päckchen auszupacken, auf dem “Vorsicht! Lebende Tiere!” steht und in dessen Deckel Luftlöcher sind, zeigt dir, was echte Freunde sind - siehe Foto.

“Roses are red, violets are blue - let us be the first to wish you happy birthday too”, schreiben sie dir vom anderen Ende der Welt, und du kannst nicht anders als das rührend-schön zu finden.

Sie suchen extra solches Einwickelpapier aus (Foto), das zum Inhalt passt (hier: Wanderbücher).

Jeder Sitzplatz ist besetzt, wenn sie alle da sind, und sie schwatzen und plaudern und lachen und essen und heben die Gläser auf dich, und um keinen muss man sich extra kümmern, weil sie gern miteinander sind, auch wenn sie sich immer nur an deinem Geburtstag treffen. (Am liebsten würdest du dich aber um alle gleichzeitig kümmern und neben allen gleichzeitig sitzen.)

Sie backen dir Sachertorte mit Kerzen drauf, und du stellst beim Auspusten fest, dass du gar keine Wünsche hast, weil du tatsächlich an diesem Tag wunschlos glücklich bist.

Und dann singen sie für dich das Lied mit dem “…denn du strahlst ja selber wie der Sonnenschein“, das du eigentlich immer ein wenig grundschulkinderhaft gefunden hast. Und dann merkst du, dass du aber in dem Moment wirklich gerade wie der Sonnenschein strahlst, weil du weißt, dass du sie auch sehr vermisst hättest, alle deine Freunde. Und wie schön, dass sie geboren sind!

November

Reisen: Stubaital. Endlich mal wieder Skifahren!

Lieblingswort: Derbysieger

Erfreulichste Mail/SMS: “Schmieden ist ne Kunst für sich, macht der Schmied es nicht richtig, geht’s in die Hose, Hufeisen im Eimer. Genauso ist es mit dem Glück.” (9.11.)

Beglückend: “Forever is only the beginning.” Im Kino.

Betrübend: Dass J. nicht mitkommt in den nächsten Urlaub.

Schönstes Geschenk: die Weihnachtslieder(!)-CD der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die just an dem Tag im Briefkasten lag, an dem ich dachte: “Nachher mal die Spendenkonten raussuchen.”

Arbeit: “Beruflich und privat sind wie Gulasch und Pudding. Macht man ja auch nicht auf einen Teller.” (Stromberg, 29.11.) Hauptsache, es isst niemand zu viel Pudding…

Party: Frosch-Sommerabschlussparty.

Ich hätte verzichten können auf: die Blasenentzündung. F&%=!

Am meisten gelacht: Über Kinder. Kind I (ca. 7): “Mama, wo bin ich Weihnachten?” Mutter von Kind I: “Eigentlich solltest du bei Papa sein. Aber er hat sich das doch noch mal anders überlegt, mein Schatz. Du bist jetzt bei mir.” Kind II (6): (guckt, denkt nach): “Seid ihr auch getrennt?”

Wo ist das Rezept geblieben von den Plätzchen, die wir lieben...?!

Wo ist das Rezept geblieben von den Plätzchen, die wir lieben...?!

Weise Worte: “Auf dem Weg zur Erkenntnis liegen nur leider immer dicke, störrische Felsbrocken, auf die man auch mal gerne im Galopp drauf zurennt.”

Überraschung: Ups, ist ja Heimspieltag! Dumme Idee, dann die Laufrunde am Stadion entlang zu wählen - und zwar genau zu Spielende. Und ausgerechnet einen blauen Rock und ein weißes T-Shirt zu tragen… (Aber: November! T-Shirt! Rock! Yay! Und außerdem: 5:1 gespielt! :-P)

Be-Merkenswert: Ich war Skifahren und hatte keine kalten Hände. (file under: Zeichen, Wunder)

♥-Song: „If this is it”, Newton Faulkner: “And if I had one chance to freeze time and stand still and soak in everything, I’d choose right now.”

Fazit: “Das Leben ist ein Casino. Entweder du spielst Roulette oder Mau-Mau.” (auch Stromberg) - Team Roulette!

Oktober

Reisen: Kampanien. I like. Eifel. Weil dort ein Wochenende sofort die volle Urlaubsdröhnung verheißt. Und den Entschluss für DIE Reise gefasst.

Lieblingswort: carpediesundcarpedas. Erdbeerbaum, span. “el madroño”

Erfreulichste Mail/SMS: “Ich bin zu Hause und wünschte du würdest anrufen.”

Beglückend: Wandern mit den weltbesten Wanderfreunden. Sonnenuntergangsschwimmen.

Besorgend: Wie sehr man sich im Alter verschätzen kann (hier: 26 statt 42).

Schönstes Geschenk: die Autogrammkarte vom Papst. Ein Rest von Fenistil.

Arbeit: Gut zu tun. Gern dabei. Dreingabe: Hunderte Seiten Dissertation.

Party: nö.

Ich hätte verzichten können auf: die Bratsche an der Oberlippe. Meh.

Am meisten gelacht: Im “Hotel Schütt” am Abendessenstisch. Über die Erzählungen zwischen Dicken Bohnen und Schlehenlikör und Winterräder in Josefs Elterns Garten.

Am meisten genervt: von Leuten, die nicht weiter denken als von hier bis Castrop-Rauxel

Weise Worte: “Tamina, dir ist kalt!”

Überraschung des Monats: Heiratsabsichten (Ha! Und ich hab’s genau so vorhergesagt!)

Be-Merkenswert: 152 Seiten

♥-Song: „The Wanderer“,  Dion & The Belmont - gar keine schlechte Idee!

Fazit: Pack your passion. Go.

September

Reisen: nach langem Hin und Her: Wandern gebucht. Und: Hamburg/Fortbildung (Yay! Ich kann jetzt Maps! Und Storify! Und Cover it live. Und ich weiß, was Tilt Shift Videos sind. Und überhaupt - hach! Lernen!)

Lieblingswort: schuldigemabitte!

Haus Rüschhaus, Münster-Nienberge

Haus Rüschhaus, Münster-Nienberge

Erfreulichste Mail/SMS: “Ich mag dich. Weil du ehrlich warst.” (20.09., 22.31 Uhr)

Beglückend: Die Freundinnen. Speziell das “Team Sattelkammer” (vgl.: “Das Gute an schlechten Zeiten: Pferde satteln, weiterreiten.” - Kettcar, “Einer“). Das Rüschhaus (siehe Foto)/Tag des offenen Denkmals.

Besorgend: Parkinson.

Schönstes Geschenk: Eine Ente.

Arbeit: gut zu tun.

Party: Sommerparty bei Eltern. Ü30.

Ich hätte verzichten können auf: stunden-, tage-, gefühlt wochenlanges Rumsuchen nach dem perfekten Rucksack (file under: “der nächstbeste” - von wegen). Der dann nicht pünktlich zum Urlaub da war.

Am meisten gelacht: Über die Wendung “steile Brise”. Und das ausgerechnet am traurigsten Abend dieses Monats. Und über: “Ja, aber da ist ja noch die Sache mit der Hoffnungsmöhre vor der Nase.”

Ruhrtalfähre "Hardenberg"

Am meisten genervt: Wenn mir Fragen nicht beantwortet werden.

Weise Worte: “Tu deviens responsable pour toujours de ce que tu as apprivoisé.” -

“Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.”

(aus: “Le Petit Prince“, Antoine de Saint-Exupéry)

Überraschung des Monats: Überraschend? Eher im Gegenteil.

Be-Merkenswert: Der Ruhrtalradweg. Andris Nelsons und das Royal Concertgebouworkest.

♥-Song: “Chor der norwegischen Matrosen”, aus: “Der fliegende Holländer“, Richard Wagner

Fazit: Strengt euch an. Oder lasst es bleiben.

August

Blumen im Garten - so 20 Dahlien-Arten...

Blumen im Garten - so 20 Dahlien-Arten...

Reisen: Fortbildung in HH gebucht. Und Wandern.

Lieblingswort des Monats: “Produkthoheit”

Erfreulichste Mail: “Gaaanz ehrlich - ich falle lieber hier und jetzt auf die Fresse, als es nicht versucht/ausgeschrieben zu haben!” (2. August 2011)

Beglückend: Ida. Die arte-Live-Übertragung vom “Lohengrin” mit Klaus Florian Vogt. Die Verliebtheit des Ex-Kollegen. Der Ruhrtalradweg.

Besorgend: Tier-Extremismus.

Schönstes Geschenk: Inspiration. Und die Alpenglück-Tasse.

Arbeit: Keine Spur von Sommerloch. Zunehmende Liebgewinnung des sonderlichen Kollegen. Vertragen mit dem Erzfeind.

Party: Betriebsfest!

Ich hätte verzichten können auf: Eine nicht angezogene Handbremse und einen nicht eingelegten Gang. Und Brombeersträucherschrammen an den Beinen (file under: “Jammern auf hohem Niveau”)

Am meisten gelacht: Auf der Cranger Kirmes: beim Basketballkörbewerfen, in der Wildwasserbahn, auf dem “Happy Sailor” und an der Losbude mit den überdimensionierten Plüsch-Tigern.

Böse, böse Brombeersträucher!

Am meisten genervt: vom Büro-Rechner, der zu langsam für mein Arbeitstempo ist.

Weise Worte: “Kommen Sie bitte aus dem Kunstwerk heraus!”

Überraschung des Monats: Die enorme Wellenschwappkraft eines scheinbar harmlosen Sportboots auf dem Dortmund-Ems-Kanal.

Be-Merkenswert: Ich mag das nun mal, wenn Menschen hart im Nehmen sind. Und werde ungehalten bei Gegenteiligem.

♥-Song: “Yellow Submarine”: Und der Song mit der Zeile “Hat Unendlichkeit denn nie ein Ende?” (Äh. Ja. Wie der Name schon sagt…)

Fazit: “We … will always be a AAA country.” (Quelle) - Jep! Und mein Leben wird immer ein AAA Leben sein.

Juli

Juli 2011: Der Himmel über Deutschland.

Reisen: Landshut

Lieblingswort des Monats: “Langflasche” (nicht zu verwechseln mit dem Bocksbeutel, aber der genießt ja auch noch nicht mal Markenschutz, wie der Europäische Gerichtshof bekanntlich 1983 im so genannten Bocksbeutelstreit entschied - das Prinzip der Selbstverantwortung im Lauterkeitsrecht, wer kennt es nicht…)

Erfreulichste Mails: die, die mich schmunzeln lassen wegen Inhalten wie “Meine Antwort lautete, dass ich nicht ausschließen könne, dass auch Unsinn getrieben würde”, “Ich überlege ernsthaft, mich für den Halbmarathon am 1.4.2012 anzumelden” und “Das hing meist von unseren jeweiligen Beziehungsstatus (hier Plural nach der lateinischen U-Deklination) ab.”

Beglückend: Die Extraschicht mit Glissssendo und waghalsigen BMX-Artisten und Mountainbikern

Besorgend: Schweigsamkeit. Mitmenschen, die bei Penny eine Flasche Schnaps und eine Dose billiges Katzenfutter aufs Band legen.

Schönstes Geschenk: ein Dahlienstrauß von der familieneigenen Dahlienplantage. Und ein weiterer Blumenstrauß.

Arbeit: zur persona non grata der Abiturientia 2011 geworden und vier Leserbriefe provoziert

Ein kurzer Gruß an die "überwältigte" Gastgeberin...

Ein kurzer Gruß an die "überwältigte" Gastgeberin...

Party: Mädelsabend bei Simönne am 1.7. Er sollte so werden, “wie man sich halt Mädelsabende im Allgemeinen vorstellt” (O-Ton Einladungsschreiben). Und er wurde so, wie man sich halt Mädelsabende vorstellt. Mit Aperol-Sprizz, Scampis vom Grill, Nussschrift auf dem Esstisch, reihenweise vor Lachen unter ebendiesen Tisch fallenden Gästen sowie einer den Abgang der Gäste, weil schlafend, nicht mehr mitbekommenden Gastgeberin…

Ich hätte verzichten können auf: Umbuchungsgebühren. Auf den Kassierer im IKEA-Shop, der mir den Kassenzettel hinlegt mit den Worten: “Hier - falls Sie’s von Ihrem Mann wiederkriegen.” Und darauf, daraufhin so perplex sein, dass man es nicht mal hinkriegt, ihm spontan vor die Füße zu spucken.

Am meisten gelacht: über Jochen Malmsheimer

Am meisten genervt: von Weltuntergangsszenarien und der Unfähigkeit, die schönen Seiten des Lebens zu sehen

Weise Worte: “du musst ja nicht mit dem Umzugswagen anreisen”

Überraschung des Monats: besondere Vorlieben

Be-Merkenswert: Joggen im Münsterland, vorbei am Dr.-Reiner-Klimke-Weg, auf dem Straßenschild einige Erklärungen zur Person R. Klimke. “Ach, ich wusste gar nicht, dass der Klimke auch Jurist war?!” “Ja, der wohnte hier auch irgendwo. Ahlerich hieß doch das Erfolgspferd, oder? Tja, Dressur… seltsamer Sport. Wie hieß denn noch gleich dieses Wunderpferd, das bei der CHIO-Siegerehrung durch ein Double vertreten wurde? Ach richtig, Totilas! Und Tochter Klimke hat doch dann seinen Sport weitergemacht. In Peking hat sie doch die Goldmedaille im Vielseitigkeitsreiten gewonnen…” “Äh, interessierst du dich für Pferde?” “Nö.”

♥-Song: das Stück, was im Deutschlandfunk zum Auftakt von “Tag für Tag - Aus Religion und Gesellschaft” gespielt wird; ein “Allegro” von J.S. Bach, dargeboten vom Cologne Chamber Orchestra

Fazit: “I don’t have the strength to stay away from you.” - OH doch!

Juni

Reisen: Crans Montana! “Crans-Montana est faite pour vous!”

Lieblingswort des Monats: Jaa-woll!

Erfreulichste Mail:…stammte von der “diesjährigen Gewinnerin des Beklopptheitsordens”: “Nächstes Jahr lasse ich gerne dir den Vortritt und klatsche von Platz zwei aus begeistert Beifall.”

Beglückend: Wandern! Berge! Bergwandern!

Besorgend: Menschen, an denen der ganze Spaß des Lebens vorbeizieht

Schönstes Geschenk: Zwei Wochen Wanderurlaub in Crans Montana mit den besten Wanderurlaubsfreunden, die man ersinnen kann

Arbeit: weniger.

Party: Freitag, 17. Juni, und Freitag, 24. Juni, Bar des SC Carlton, inklusive Aperol Sprizz, “Coco Jamboo” und Anquatschmanövern. Ach, und Schützenfestsamstag in Oer, inklusive Wasser, “Sweet Home Alabama” und Tanzen mit Überschlag (fast).

Ich hätte verzichten können auf: kollegiale Bandscheibenschäden, die Halbmarathon-Pläne zerkreuzten

Am meisten gelacht: Zwei Wochen lang nonstop in Crans Montana, mit dem eindeutigen Höhepunkt beim Schnitzel-Ess-Wettbewerb inklusive Kroketten-Königs-Sonderwertung

Am meisten genervt: von der Unart, ein durchaus wichtiges Telefonat unfreiwillig dadurch beenden zu lassen, dass der Akku alle geht. Und dann nicht zurückzurufen, wenn er wieder aufgeladen ist. Feine englische Art. Not.

Weise Worte: “Es gab da ne Idee, die ich eigentlich ganz gut fand, weil es ja auch meine Idee war.”

Überraschung des Monats: Wie leicht man Berge raufkommt, wenn man ausreichend Glückshormone ausschüttet. Dass Mountainbiken ein komplett anderer Sport ist als Radfahren. Dass es Berge gibt, die sind so steil, da muss man das Fahrrad runterschieben. Runter!

Be-Merkenswert: Wie gruppentauglich ich sein kann. Wie die Sonne ein Lichtschalter sein kann, wenn sie hinter dem Petit Mont Bonvin aufgeht.

♥-Song: “Treue Bergvagabunden” (Heino, 1968), “What is Love” (Haddayway, 1992)

Fazit: “Never stop exploring!”

Warum wandern im Wallis?

“And it’s times like these we can’t replace.
It’s times like these we must embrace.

And even though it’s bittersweet and brings us to our knees
it makes us who we are, in times like these.”

(Kid Rock, “Times Like These”, 2010)

.

.

Am Anfang war die diffuse Idee, “wandern könnte mir Spaß machen”. Weihnachten kam ein Paar Bergschuhe dazu. Und vor zwei Wochen ging’s dann los. Richtung Schweiz, Ziel: Crans Montana, Sportclub Carlton.

Warum das einer der a l l e r g r a n d i o s e s t e n Urlaube wurde, die ich je gemacht habe? (Und ich habe schon ganz schön viele grandiose Urlaube gemacht!!)

Weil…

der Sportclub Carlton noch echten Holzfußboden in seinen Zimmern hat und kein IKEA dieser Welt so nette quietschende Kommoden-Schubladen herstellen kann.

hier schon Juri Gagarin und Charlie Chaplin genächtigt haben - nur, dass die noch nicht die Sauna im obersten Stockwerk besuchen konnten und noch nicht das Vergnügen hatten, von der Schwitzbank aus die schneebedeckten 4000er auf der anderen Seite des Rhônetals sehen zu können.

und sie haben auch noch nicht beim abendlichen Sauna-Event in den Liegestühlen auf der Dachterrasse gelegen und nur mit einem Handtuch umhüllt in den Sternenhimmel samt Mondfinsternis geguckt.

es hier vier Gänge Abendessen gibt, die immer Salat beinhalten (selbstredend täglich mit einem anderen Dressing) und die immer mit einem Höher-schneller-weiter-süßer-sahniger-mjammiger-Nachtisch enden (Himbeerfloop! Zweifarbige Mousse au Chocolat! - Yummy!!).

man sich das einfach so schmecken lassen kann, wenn man tagsüber viele hundert Höhenmeter gemacht hat und Millionen Kubikmeter frische Alpenluft geatmet hat.

es schöner als eine Einsplus in Mathe ist, wenn man eigenständig das Matterhorn erkennt. Dass man all die Berge links und rechts davon auch bei der siebzehnten Einweisung durch Wanderguide Rolf - “links ist das Zinalrothorn, dahinter das Weisshorn, dann kommt der Dent Blanche, dahinter - der mit der Spitze zu uns zeigt - der Dom, der Breite da drüben ist das Bishorn” - nicht beherrscht, macht gar nichts.

solange man weiß, wo das Bietschhorn ist. Zitat: “Mmh. Mein Thermometer zeigt 25 Grad an. Kann doch irgendwie nicht sein?!” “Och, in der Sonne ist es ganz schön warm!” “Ja, UND wir sind direkt am Beachhorn!” (vgl. auch: “Sind wir schon an der Falafel-Alm?”, wenn man im Lötschtal gen Fafler-Alm fährt…)

unter der Etagendusche des SC Carlton folgende Szenen passieren: Schäume ich mir die Haare mit Shampoo ein, schließe dabei die Augen, werde plötzlich am Oberschenkel von etwas berührt. Reflexartig zum Nebenduscher: “Hast du mich gerade etwa angefasst??” Nein, er hat mich nicht angefasst, schon gar nicht unsittlich, es war bloß der fehlgeleitete Duschstrahl, der mich am Bein traf - der aber fortan für einen von unzähligen running gags sorgte. “Tamina, darf ich dich mal kurz anfassen?” (Der Nach-Duscher merkte allerdings an: “Was habt’n ihr gemacht unter der Dusche? Da war ja alles nass!”)

man die schönsten deutschen Dialekte und Sprachfärbungen kennen lernt - “Kann ich noch was Butter haben?” “Das is ‘n Plümo!”

ein Stuttgart-21-Gegner (”Oben bleiben!“), eine Fluglotsin, zwei Steuerbeamten, eine Küchenverkäuferin und eine über Karottenallergien promovierende Biologin und noch ein paar mehr zusammen einfach eine tolle Menschenmischung abgeben.

Märchenhaft, dieser Salon...

nirgendwo anders passender Psalm 23 rezitiert werden kann: “Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.” Und dann waren da noch die weiteren Puzzleteile, bei denen selbst ein bayerischer Berufsschul-Religionslehrer schon mal durcheinanderkommen kann, wenn gerade der Weg nicht klar ist: “Müssen wir jetzt Richtung Illgraben oder Richtung Illsee?” (vgl. “Der Herr ist mein Hirte, … er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen”), die Wasserflasche leer wird und die Mittagspause naht (vgl. “Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser”).

wir jetzt dank einer Märchen-Lesestunde im Salon des SC Carlton (s. Foto) endlich alle wissen, dass beim “Froschkönig” gar nicht geküsst wird, sondern das arme Tier nur an die Wand gepfeffert wird. Dafür haben wir spontan unseren aktiven Schimpfwortschatz durch die Wendung “alte Wasserpatscher” ergänzt, denn: “‘Ach, du bist’s, alter Wasserpatscher,’ sagte sie, ‘ich weine über meine goldene Kugel, die mir in den Brunnen hinab gefallen ist.’” (”Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich“, Brüder Grimm, 1857)

ich sonst immer noch nicht wüsste, dass bisses historische Wasserleitungen sind. Aber wer einmal an der Bisse de Tsitorret, der Bisse du Ro oder der Bisse de Lens entlanggewandert ist, mag nie mehr einen normalen Spazierweg benutzen. (Anm.: Bisses (frz.) oder Suonen (dt.) dienten früher der Wasserversorgung der wallisischen Dörfer. Die zu bauen war ziemlich gefährlich, wie der Wanderer heute noch sehen kann, der schwindelfrei sein und gutes Schuhwerk tragen sollte. Entsprechend wichtig und angesehen waren die Bisse-Konstrukteure einst in der Dorfgemeinschaft. Bisses überwinden sogar Felswände und Geröllhalden.)

Eringer, nicht Heringer!

es mir zu Hause viel zu peinlich wäre, zu “Coco Jamboo” (Mr. President, 1996) alberne Gruppentänze zu vollführen. Aber was tut man nicht alles, nachdem Barfrau Nicole einem einen Karamelwodka (Karamelwodka! Ka-ra-mel-wod-ka! Und das MIR!) aufgeschwatzt hat. (Und: Ja, ich kann jetzt auch schon recht gut “Schatzi, schenk mir ein Foto”/”Schatje mag ik en Foto” singen.)

wir jetzt wissen, dass Schnecken Kuhdung fressen. “Ja”, sagt der Wander-Guide, “und die Kühe fressen Bananenschalen. Da wird dann Bananenmilch draus.”

man erst richtig kapiert, was “im Mittelpunkt stehen” bedeutet, wenn man das am Welcome-Abend zum Abendessen gereichte Glas Sekt exakt in der Sekunde umpfeffert, wenn die Hausleitung bei ihrer Ansprache eine kleine, aber umso totenstillere Pause einlegt. Dann darf man sich auch nicht wundern, wenn man künftig beim Abendessen von den Tischnachbarn mit Überflugverboten und Sperrgebieten über und um deren Essbereich belegt wird.

jetzt ein Hubschrauber (Stichwort “Überflugverbot”) nicht mehr einfach ein Hubschrauber ist, seitdem der Bundeswehr-Verwaltungsangestellte sagte, als wir aus dem Wald bei Plans Mayens traten und einen Hubschrauber zwar deutlich hörten, nicht aber sahen: “Ist nur ein Arbeitshubschrauber!” Woraufhin sich der Rest der aeroplanaren Banausen zweifelnd anschaute. Allerdings nur, bis wir hinter dem nächsten Gebäude den Hubschrauber erblickten. Denn, ein Speißfass transportierend erhob sich dort gerade ein - - - Arbeitshubschrauber in die Luft!

Am besten direkt zurück nach Crans...

die Rinder auf den Walliser Almen (s. Foto oben) meist Eringer sind. (Wander-Guide: “Eringer, nicht Heringer! Heringe sind Fische!”) Auf dem Fell der Tiere ist oft eine Nummer aufgemalt, denn die Tiere tragen im Frühjahr Kuhkämpfe aus, um die winters im Stall abhanden gekommene Rangordnung wieder herzustellen. “Das sind Adventskalender-Kühe!” “Ich fotografier’ mal eine.” “Welche denn?” “Heiligabend!”

… weil: die Teamer! DIE TEAMER!! Die weltallerbesten Teamer!!! Carlton-Teamer for president and for Weltmeister and for Königsthron and for Urlaubssupermacher!

.

Noch Fragen, warum das einer der a l l e r g r a n d i o s e s t e n Urlaube wurde, die ich je gemacht habe?

Dann hab ich hier noch eine kleine Info für euch:

Wanderurlaub in Crans Montana mit Frosch - das ist pures Glück am Stück!

Mai

Reisen: Keine! Aber an zwei Tagen dienstlich Ausflüge für fünf Wochenenden gemacht (ja, auch diese Kühe gehören dazu - sie grasen am Milchradweg zwischen Hünxe und Schermbeck!)

Lieblingswort des Monats: “gleichwohl”

Erfreulichste Mail (NOT!!): “Guten Tag Frau Tamina Urbaniak, freuen Sie sich auf Post von MeinPaket. de! alambi Deutschland - Ihre Technikwelt online hat Ihre Bestellung vom 16.05.2011 erhalten. GESAMTPREIS IHRER BESTELLUNG 518,00 €, IHRE LIEFERADRESSE Tamina Urbaniak, Packstation 136, 47198 Duisburg.
IHRE ZAHLUNGSMETHODE Sie zahlen per Lastschrift.
Das hinterlegte Bankkonto wird erst bei Versand der Ware belastet. Produkt: Apple iPad 16GB”

(Was folgte: Ein 18-Minuten-Gespräch mit der MeinPaket.de-Hotline und ein Strafantrag im Polizeipräsidium Dortmund-Mitte)

Beglückend: Menschen, die druckreif reden können. Dass das Freibad endlich auf ist. In Dortmund zu wohnen, denn: “Danke, Jungs!

Besorgend: Herzinfarkt im Sonntagsdienst. Burn out mit Mitte 30. Freunde, deren “Liebes”beziehung pathologisch ist.

Schönstes Geschenk: Crémant du Jura, 2007, brut

Arbeit: Mehr, wegen kollegialen Bandscheibenvorfällen. Macht aber nichts, besser zu viel als Langeweile.

Party: Tanz in den Mai. Ratskeller 7. Mai.

Ich hätte verzichten können auf: familiäre Schwindelanfälle

Am meisten gelacht: über die ewige Verwechslungsgefahr von Lichtschalter und Klingelknopf

Am meisten genervt: von meiner eigenen Ungeduld

Weise Worte: “The most important thing is to have a sense of responsibility, commitment, and concern for each of our fellow human beings.” (Dalai Lama, via twitter)

Überraschung des Monats: Merci-Bonbons für meine ganz normale Arbeit. Wenn Leute nur aufgrund des rechts dargestellten Logos wissen, dass die Vancouver Canucks ein kanadisches Eishockeyteam sind und dass in deren Reihen der Deutsche Christian Ehrhoff spielt.

Be-Merkenswert: wer alles im schwarz-gelben Outfit aus seinem Loch gekrabbelt kam, als wir den Deutschen Fußball-Meister feierten und “scha-la-la-laaaa!” singend auf der gesperrten B1 standen

♥-Song: “Welcome to St. Tropez” (DJ Antoine Vs. Timati Feat. Kalenna (weißt Bescheid!?)); “Itsy Bitsy Teenie Weenie Yellow Polkadot Bikini” (Brian Hyland)

Fazit: Wir Mädels, wir blümen alles gern ein bisschen aus.

April

Reisen: in die Bretagne - schönste Osterferien seit Taminagedenken

Lieblingswort des Monats: “Deutscher Meister”

Erfreulichste Mail: “Sehr geehrte Frau Urbaniak, wir haben eine wunderbare Nachricht für Sie: das von Ihnen gewünschte MacBook Air ist nun endlich bei uns eingetroffen und wird umgehend für Sie versandfertig gemacht.”

Beglückend: Die Lebensfreude der Patentante. Die royale Hochzeit.

Besorgend: wenn andere traurig sind

Schönstes Geschenk: Schokoladenostereier.

Arbeit: auf der Jagd nach neuen Klickrekorden

Party: Tanz in den Mai. Ein bisschen so wie früher.

Ich hätte verzichten können auf: die Absage.

Am meisten gelacht: Beim “Bienvenue Nici!”-Plakat-Entrollen im Flughafen von Lannion. In Frankreich am letzten Urlaubs-Abend über die brüderlichen und schwesterlichen Schnappschüsse. Über den Tierheim-Artikel des Kollegen, in dem es heißt: “Tamina ist keine Schmusekatze und deswegen nicht so gut zu vermitteln.”

Am meisten genervt: vom Messen von Arbeit mit zweierlei Maß

Weise Worte: “I do not have the strength to stay away from you.” // “Angst ist die Schlüsseltechnologie der Kontrollgesellschaft.” (Tom Holert)

Überraschung des Monats: “Schwester, wann bist du noch mal in Beg Leguer?” “Dienstag nach der Arbeit bis Ostermontag.” “Ich komm auch.”

Be-Merkenswert: Dass der Lieblingsfreundin ein flüchtiger Blick von außen auf einen Schuhkarton ausreicht, um mir auf den Kopf zuzusagen, welches Modell ich gekauft habe. Zeigt, wie gut sie erstens mich und zweitens die Schuhgeschäfte unserer Stadt kennt.

♥-Song: “Damaged People”, Depeche Mode

Fazit: Sonne makes the world go round.